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Hier finden Sie einige Veröffentlichungen vorangegangener Ausgaben der "Railway & Tram"- Site.

 

Fragwürdige Folge der Liberalisierung:

Aus für den EUROP-Pool


Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, wurde bereits im November 2001 beschlossen, dass der EUROP-Wagenpool für Güterwagen per 31. 12. 2002 aufgelöst wird.  Damit herrschen im vereinten Europa nun wieder Verhältnisse wie vor 50 Jahren.  Gegründet wurde der EUROP-Pool am 2. 3. 1953, nachdem bereits per 1. 1. 1951 DB und SNCF ein bilaterales Abkommen über die gegenseitige Nutzung von Güterwagen beschlossen hatten.  Hintergrund dieser Vereinbarung war eine Kostensenkung durch Vermeidung von Leerwagenfahrten.  Wurde beispielsweise ein beladener ÖBB-Wagen (EUROP) von Österreich nach Deutschland gesendet, konnte die DB anschließend diesen Wagen wie einen eigenen weiterverwenden und auch in das Ausland (nicht nur Österreich) weitersenden.  Möglich war diese Vorgehensweise bei allen Bahnverwaltungen, die dem EUROP-Abkommen beigetreten sind.  Zukünftig muß der Wagen sofort nach der Entladung entweder leer in die Heimat oder beladen in Richtung näher der Heimat gesendet werden. Überdies ist nun für jeden fremden Wagen ab Grenzübertritt pro Tag Mietgebühr zu verrechnen (wie bisher bei allen Nicht-EUROP-Wagen üblich).

Ausschlaggebend für die Entscheidung, den Pool aufzulösen, ist die Tatsache, dass es sich bei den heutigen westeuropäischen Eisenbahn-Güterverkehrsunternehmen um keine partnerschaftlichen "Staatsbahnen" mehr handelt, sondern um einander konkurrenzierende Privatunternehmungen.  Es braucht wohl nicht näher erläutert zu werden, dass eine derartige Maßnahme kostensteigernd wirkt und somit die Konkurrenzfähigkeit der einzelnen Bahnverwaltungen im Güterverkehr gegenüber der Straße weiter abnimmt.                                         

Abschließend soll erwähnt werden, dass bis Jahresende alle EUROP-Anschriften an den Fahrzeugen gelöscht werden müssen, dazu zählen auch die Austausch-Codes 01 und 11 der zwölfstelligen Wagennummer.

Alexander Binder in der Zeitschrift „Schienenverkehr aktuell“ Nr. 5/02

 


Der neue österreichische Generalverkehrsplan
 

Die österreichische Bundesregierung präsentierte am 25. Jänner 2002 mit der undefinierbaren Benennung "Reformdialog VII" einer ausgewählten Adorantenschar im eleganten Rahmen des Redoutensaals der Wiener Hofburg etliche Seiten, zum Teil bunt bedrucktes Papier, das als "Generalverkehrsplan" für Schiene und Straße bezeichnet wird. 

Was den Schienenverkehr betrifft, kommt man schon bei oberflächlicher Bewertung dieses inhaltlich nichtssagenden Ankündigungs-Elaborates zum Ergebnis, dass die Bundesregierung versucht, auf ihre angeblich ungeheuren Aktivitäten aufmerksam zu machen und etwas vorlegt, dass sich zwischen Husch und Pfusch bewegt.  Wenn etwa Bundeskanzler Schüssel bei der Präsentation euphorisch erklärt, dass im Hinblick auf die Osterweiterung der Eisenbahn-Ausbau in diesem Generalverkehrsplan ganz besonders auf den Verkehr mit den östlichen Nachbarländern abgestimmt ist, drängt sich die Frage auf, ob der Bundeskanzler entweder keine Ahnung hat worüber er redet, oder ihm etwa ein anderer Generalverkehrsplan vorliegt als jener der veröffentlicht wurde.  In dem uns vorliegenden Papier ist nämlich abgesehen von der selektiven Zulegung eines zweiten Gleises auf der Summerauerbahn bis 2011 und der Reaktivierung des abgetragenen zweiten Gleises von Werndorf bis Spielfeld-Strass - von Maßnahmen zur Verbesserung der Bahnverbindungen mit Ostländern so gut wie nichts zu bemerken. 

26 angebliche Verkehrsexperten unter Leitung des Wiener Ziviltechnikers Rosinak waren von der Regierung mit der Ausarbeitung dieses Generalverkehrsplans für Strasse und Schiene (man bemerke: die Strasse wird immer zuerst genannt) betraut.  In vertraulichen Konferenzen im Alpenhotel Gösing, sowie bei zahlreichen Sitzungen im Verkehrsministerium, wurde eine Auflistung verschiedener, zumeist schon altbekannter und in früheren Plänen bereits enthaltener Verkehrsprojekte, vorgenommen.  Neu ist, dass sie in den Prioritäten umgereiht wurden und das Produkt jetzt als „Generalverkehrsplan“ (GVP) bezeichnet wird. 

Grundsätzlich ist ein Generalverkehrsplan für Österreich notwendig.  Es gab allerdings schon ähnliche, nur anders benannte, General-, Master- und sonstige Pläne.  Was den Schienenverkehr betrifft konnte man von verschiedenen Projekten zwar auch nicht hellauf begeistert sein, immerhin ließ sie aber ein zukunftssicherndes Ausbau- und Modernisierungskonzept für die Eisenbahn erkennen das zumindest diskussionswürdig war. Vor allem aber war als wesentliche Voraussetzung die Finanzierung (10,4 Milliarden Euro) gesichert. 

Die Hauptkritikpunkte 

-  Fehlendes Gesamtkonzept:    Wo bleibt der "große" Nord - Süd-Korridor?  Von einem solchen ist außer einem verpfuschten Teilabschnitt über ungarisches Staatsgebiet weit und breit nichts zu bemerken.  Der Donau-Korridor bleibt durch den Entfall des Ausbaues Attnang-Puchheim - Salzburg ein Torso und eine Schnürstelle im europäischen Schnellfahrnetz. 

- Unflexibles Eingehen auf betriebliche Notwendigkeiten:  Durch politische Entwicklungen unwichtig gewordene Projekte, zum Beispiel Tauernbahn, Schoberpass, Arlberg, werden ohne Rücksicht auf zwischenzeitlich verlorene Verkehrsbedeutung mit hohem finanziellem Aufwand weitergebaut. 

-  Prioritätenreihung:  Betriebsspezifisch un- oder minderwichtige Bauvorhaben (Koralmbahn, Inntalaus-bau), sind an vorderste Stelle gereiht und werden mit Geldmitteln, die von anderen wichtigeren Projekten abgezogen werden, gebaut. 

-  Denkfehler:  Die Planer des GVP hätten sich an einem fundamentalen Grundsatz orientieren müssen: Mit geringstmöglichem Geldaufwand zu bauen was am raschesten erkennbaren Kunden- und verkehrspolitischen Nutzen für Personen- und Güterbeförderung bringt und der Optimierung des Gesamtsystems Eisenbahn dient.  Davon ist absolut nichts zu erkennen, im Gegenteil.  Zahlreiche Vorhaben wurden so erstellt, dass sie von der über das notwendige Maß weit hinausgehenden Projekterstellung und dem Kostenrahmen unfinanzierbar und damit unrealistisch werden. 

-  Zeitfaktor: Mangels tatsächlich vorhandener Substanz wurde offensichtlich zu potemkinschen Methoden gegriffen, um irgendetwas politisch zu verkaufen, und Projekte in Zeithorizonte verlagert (zum Beispiel nach 2021) die aus diesem Grund zu Papierankündigungen verkommen. 

-  Vernachlässigter Nahverkehrsausbau: Abgesehen von politischen "Geschenken" (zum Beispiel Ausbau der S 2) wurden betrieblich tatsächlich wichtige Projekte in weite Ferne gerückt, so etwa: drittes Gleis Atzgersdorf - Brunn (2011), zweites Gleis Pottendorferlinie (2011), S 80 (nach 2021). 

-  Dringlichkeit: Vernachlässigung von dringlich erforderlichen Verbesserungen für die Betriebsabwicklung.  Hier gilt das gleiche wie vorstehend angeführt.  Vergleichsweise billige Projekte wie Schleifengleise, die aber Verkehrs- und Wirtschaftlichkeits-Verbesserungen bei der Betriebsführung bringen würden, sind weit hinten gereiht: Schleife Setzthal (2006), Schleife Gramatneusiedl, Zvbf. Ostschleife, Stetteldorferschleife Absdorf, Laaerbergtunnel (alle 2011). 

-  EU-Anschluss: Keine tatsächlichen Verkehrsverbesserungen mit künftigen EU-Beitrittsländern.  Die im Zusammenhang mit Ausbaumaßnahmen von Strecken der GYSEV vorgesehenen Investitionen (auch im Ausland) dienen dazu, den Eisenbahnverkehr an Österreich vorbeizuführen und sich damit aus der "Affäre Semmering" herauszuwinden. 

-  Lenkungsmaßnahmen: Keine wirksamen Lenkungsmaßnahmen, um eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene zu bewirken.  Die Erhaltung der bestehenden Schienenwege wird völlig ausgeklammert.

Der Zeithorizont für die Verwirklichung des GVP wird mit 30 Jahren angegeben, an anderer Stelle wird dieser Zeitraum aber wieder konterkariert und von einem „Paket 1“ und vorerst sechs Jahren gesprochen.  Das finanzielle Gesamterfordernis wird mit 45,1 Milliarden Euro beziffert.  Zwei Drittel des Geldes sollen für den Schienenverkehr, ein Drittel für den Straßenverkehr aufgewendet werden.  Diese Aufteilung erscheint zwar im ersten Augenblick positiv, bleibt aber eine rein theoretische Absichtserklärung da - abgesehen vom sogenannten SCHIG-Rahmen von 10,4 Milliarden Euro der noch aus der Zeit früherer Regierungen stammt und bereits für begonnene Projekte weitgehend verplant wurde - sogut wie keine finanzielle Bedeckung vorhanden ist und alle Geldquellen nebulos umschrieben werden.  Zur Finanzierung von Straßenverkehrsprojekten ist die Einhebung eines Road Pricings geplant das mit 20 Cent (3 Schilling) pro Kilometer, sehr LKW-freundlich angesetzt wurde und vielleicht für den weiteren Autobahnausbau genügen wird, aber weit unter dem für Lenkungseffekte (Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene) erforderlichen Wert liegt.  Der frühere Verkehrsminister Einem verlangte seinerzeit 4 Schilling, in der Schweiz werden 1,18 Euro kassiert, und zwar auf allen Strassen und nicht nur auf Autobahnen, wie in Österreich vorgesehen. 

Der GVP ist, was den Schienenverkehr betrifft, in vier „Pakete“ gegliedert - 0, 1a, 1b, 2 - in denen offenbar die politische Wertigkeit und damit Verwirklichungs-Geschwindigkeit ausgedruckt werden sollte: 

Paket 0 

Kosten 9,45 Milliarden Euro (130 Milliarden Schilling).  Projektzeitraum zwischen 2002 und 2011, zum Teil aber auch noch über 2021 hinaus.  Im wesentlichen handelt es sich in diesem Paket um bereits zuvor übertragene Vorhaben aus dem alten 10,4-Milliarden-SCHIG-Rahmen. An vordringlichste Stelle gereiht wurde der Bau der Koralmbahn und dafür auch die mit Abstand höchste finanzielle Dotierung bereitgestellt.  Weiters sind darin enthalten: 

       -  Umbau des Bahnhofes Klagenfurt,
       -  Verbindung steirische Ostbahn - Koralpenbahn, Terminal Wemdorf,
       -  Neubaustrecke Kufstein - Wörgl, Kundl Volders-Baumkirchen (neue lnntaltrasse),
       -  Ausbau der Westbahn, vor allem in Niederösterreich, einschließlich Güterzugumfahrung St. Pölten. 
          Lainzer Tunnel allerdings erst bis 2011,

       -  Baulose Ybbs - Amstetten, Umfahrung Enns, Asten - Linz, Lambach - Attnang-Puchheim,

       -  Tauernbahn (Schlossbachgraben - Angertal, Brandstatt - Loifarn),

       -  Schoberpass (Unterwald - Kalwang),
       -  Arlberg (zweites Gleis Langen - Klösterle),

       -  Ausbau S 2.

Paket 1a 

Kosten: 5,57 Milliarden Euro. Schwerpunkte der Verwirklichung zwischen 2007 und 2011 aber auch nach 2021: 

       -  Ausbau Oberwart - Szombathely,
-  Elektrifizierung Wiener Neustadt - Sopron,
-  Ausbau Tauernbahn (Kolbnitz - Pusarnitz, Steinbach - Schlossgraben),

-  Schleife Selzthal,
-  Arlbergbahn (zweites Gleis Bludenz - Braz),

-  Herzogenburg - St. Pölten (zweites Gleis),
-  Salzburg - Freilassing (drittes Gleis),
-  Pottendorferlinie (zweites Gleis),

-  Freudenauer Hafenbrücke, Schweizergartenschleife.
 

In diesem Paket werden beträchtliche Geldmittel unter dem Titel, „Tunnelsicherheit“ aufgelistet.  Darin enthalten ist etwa der Arlbergtunnel der durch Querschläge mit dem Arlberg-Straßentunnel verbunden werden soll, Bosruck-, Tauern- (zweite Röhre), Karawanken-, aber auch die Neubauten Sittenberg-, Zammer- und Galgenbergtunnel. 

Erhebliche Geldmittel werden auch für die Errichtung von Lärmschutzwänden und den Bau von Park & Ride-Anlagen vorgesehen. Bescheiden ist allerdings die Dotierung für den Ausbau der Sicherungseinrichtungen (ETCS Level 1). 

Wahrlich als Verhöhnung all jener Planer, die seinerzeit dem Ausbau der Semmeringstrecke als wichtigem Nord-Süd-Korridor besondere Bedeutung beigemessen hatten, ist die auch in diesem Paket enthaltene und mit einem Zeitraum bis 2021 angesetzte „Bestandssanierung Semmering“. Mit dem dafür vorgesehenen Betrag von 2,11 Millionen Euro können bestenfalls einige Kabel und Drähte der Signal- und Fahrleitungsanlagen ausgetauscht werden. 

Paket 1 b 

Kosten 6,78 Milliarden Euro.  Zeitrahmen 2011 und später. 

       -  Neubaustrecke Klagenfurt - Villach,
       -  Bestandsanierung Attnang-Puchheim - Salzburg,
       -  selektiver zweigleisiger Ausbau Summerauerbahn,
       -  drittes Gleis Atzgersdorf - Brunn,
       -  Elektrifizierung Neusiedl am See - Wulkaprodersdorf,
       -  Schleife Gramatneusiedt, Stetteldorferschleife Absdorf, Zvbf Ostschleife, Laaerbergtunnel,
       -  zweites Gleis Gödersdorf - Rosenbach. 

Paket 2

Kosten 12,17 Milliarden Euro.  Zeitrahmen bis 2021 und später. 

       -  Eisenbahn Wien - Flughafen - Eisenstadt - Sopron,
       -  Neubaustrecke Sopron - Szombathely,
       -  Reaktivierung Szombathely - Oberwart,
       -  Ostschleife Parndorf,
       -  Spange Fischamend - Götzendorf, 
       -  Ausbau Innkreisbahn,
       -  Elektrifizierung steirische Ostbahn,
       -  selektiver zweigleisiger Ausbau Gleisdorf - Szentgotthard,

       -
  Brenner Basistunnel,
       -  Pfändertunnel,

       -  Arlbergbahn zweigleisiger Ausbau Ötztal - Roppen, Landeck - Pians, Braz - Klösterle,
       -  Terminal lnzersdorf,

       -
  Bahnhof Wien,
       -  Ausbau S 80,
       -  Wien Meidling - Wien Hütteldorf (S 15).
 

In den GVP wurden Verkehrsprojekte aufgenommen, deren Wertigkeit von Wünschen an das Christkind über falsche Prioritäten bis zu weitgehend unnötig reicht.  Letztere sind zum Teil mit milliardenteurer Geldverschwendung verbunden und dennoch keineswegs geeignet, die wesentlichen Probleme der Eisenbahn in Österreich durch entsprechende Ausbaumaßnahmen, vor allem auch im Hinblick auf die Ostöffnung, sowie Zukunft und Konkurrenzfähigkeit gegenüber der Straße zu sichern. 

Bemerkenswert dabei ist ferner, dass zahlreiche Verkehrsprojekte zwar in den GVP aufgenommen, ihre Realisierungszeit jedoch zwischen 2021 und 2032 angesetzt wurde, womit sie schon deshalb jegliche Sinnhaftigkeit und Chance auf Verwirklichung verloren haben.  Die (damals noch) Verkehrsministerin Forstinger kommentierte diesbezügliche Fragen mit den Worten: „Warum soll ich mich jetzt um Schulden kümmern für Projekte die ich gar nicht realisieren kann.“ Unübersehbar ist allerdings, dass der Erstellung des GVP ein mieser blau-schwarzer politischer Kuhhandel zugrunde lag.  Dabei standen die persönlichen Wünsche und Befindlichkeiten von einzelnen Landeshäuptlingen merkbar im Vordergrund.  Mit Stolz wurde daher auch verkündet, dass die Landeshauptleute von Kärnten und Tirol, aber auch Niederösterreichs, mit dem neuen GVP zufrieden sind, in Wien hingegen Zorn und Enttäuschung herrscht.  Wie dies zu verstehen ist, zeigt sich unter anderem daran, dass sich die generelle Verkehrssituation in Österreich in den letzten Jahrzehnten zwar überhaupt nicht verändert hat, die Milliardenprojekte Inntalausbau (Tirol) und Koralpenbahn (Kärnten), die von Fachleuten vor kurzer Zeit noch als die unwichtigsten Verkehrsbauten am letzten Ende der Prioritätenliste gereiht worden waren, praktisch von einem Tag auf den anderen höchsten Vorrang gemessen, der Semmeringtunnel hingegen im GVP nicht einmal mehr aufscheint, Der Kommentar aus dem Ministerium: "Man muss eine biologische Problemlösung abwarten." Besondere Wichtigkeit kommt jetzt aber der Elektrifizierung nach Laa an der Thaya und dem zweigleisigen Ausbau der S2 nach Mistelbach zu.  In der Priorität weit nach hinten geschoben wurden hingegen Wien berührende Projekte. Etwa der Ausbau der S 80 von 2007 auf zwischen 2011 und 2021, der
Zentralbahnhof Wien von 2007 auf 2021, der Ausbau der Strecke Wien - Flughafen - Eisenstadt - Sopron auf 2021, desgleichen der Bau des Güterterminals Freudenau und Inzersdorf. 

Konkret bedeutet dies, dass in den Plan nur das aufgenommen (oder nicht aufgenommen) wurde, was einigen politischen Entscheidungsträgern in ihr individuelles Denken passte und nicht das was die Eisenbahn in Österreich wirklich brauchen würde.  Wichtige, aber nicht in diese Philosophie passende Projekte, wurden entweder negiert oder in ihrer Priorität außerhalb eines realistischen Zeithorizontes ausgelagert. 

Besonders ausgeprägt zeigt sich diese Denkweise im GVP für die Nord-Süd- und West-Ost-Magistralen.  Das Land Niederösterreich, genauer gesagt dessen Landeshauptmann Pröll, will bekanntermaßen den raschen Ausbau der Westbahn (Donaukorridor) und keinen Semmeringtunnel.  Dementsprechend wird im Generalverkehrsplan der viergleisige Ausbau der Westbahn von Wien bis St. Valentin als besonders dringlich bezeichnet und die von den FPÖ- Verkehrsministern Schmid und Forstinger erst vor kurzer Zeit sistierten Projekte GZU (Güterzugumfahrung St. Pölten) und Wienerwaldtunnel wieder aufgenommen.  Der Semmeringtunnel hingegen wurde offensichtlich auf Druck der Pröll-Lobby aus dem Generalverkehrsplan - de facto - ausgenommen.  Damit der von den FPÖ-Verkehrsministern aus Gründen der Priorität vordem gestoppte und jetzt über Druck der ÖVP Niederösterreich wieder aktivierte Weiterbau der GZU St. Pölten und der Monsterumbau des Bahnhofes St. Pötten nicht allzu blamabel wirkt und den Koalitionspartner nicht vergrämt, wird als Morgengabe für den Kärntner FPÖ-Landeshauptmann Haider statt des Semmeringtunnels nunmehr der Bau der Koralmbahn als besonders dringlich gereiht, Dass sich gegen dieses „Verkehrsgeschenk“ für Haider gerade in Kärnten unter Führung von FPÖ-Politikem schon vier Bürgerinitiativen (Klopeinersee, Peratschitzen, St. Lorenz und St. Paul) gegen den Eisenbahnbau formieren, stellt für Haider überhaupt kein Problem dar, „dann wird eben die Eisenbahn unter die Erde verlegt“.  Kosten sind offenbar egal. 

Hinsichtlich einer modernen Eisenbahn Nord-Süd-Achse durch Österreich und einer Berücksichtigung der nach der Osterweiterung zu erwartenden Verkehrszunahme ist der Inhalt des GVP schlicht als katastrophal zu bezeichnen.  Da der Semmeringtunnel aus politischen Gründen nicht gebaut werden darf, wurde krampfhaft nach einer Alternative gesucht.  Von seriösen Verkehrsplanern wurde längst dokumentiert, dass aber ohne Lösung der Semmeringfrage ein sinnvoller Nord-Süd-Korridor nicht machbar ist. Das allerdings wollen oder dürfen die nunmehr zuständigen politischen Verantwortlichen nicht eingestehen. 

Dass die Aspangbahn nicht einmal eine Denkvariante sein kann, haben die NÖ- und andere Verkehrsplaner zwar endlich erkannt. Ein als Alternative dafür konkretisierter Plan unter dem Titel „Bestandsanierung“ der bestehenden Altstrecke über den Semmering ist nichts anderes als eine lächerliche Alibi-Aktion.  Im Zeitraum bis 2021 sollen jetzt lediglich die Sicherungsanlagen und die Fahrleitung erneuert werden.  Irgendwelche Trassenverbesserungen oder Überlegungen für Alternativen zum Tunnel (man könnte das Semmeringproblem auch in anderer Form als mit dem geplanten Tunnel lösen) erfolgen nicht.  Da dies daher sichtlich nicht die Lösung darstellt, wird wieder einmal die Ungarn-Karte, diesmal aber recht schlau und heimlich aus dem Ärmel geholt. Als „Semmering-Ersatzlinie“ ist zwar ein Streckenneubau Wien - Flughafen – Gramatneusiedl - Wampersdorf - Eisenstadt - Sopron und die Anbindung an den Korridor V in Ungarn im GVP enthalten, der dafür angegebene Zeithorizont von 2021 dokumentiert allerdings bereits die Bedeutung, die man diesem Projekt beimisst sowie seine Chancen auf Verwirklichung.  Darüber hinaus hat Verkehrsministerin Forstinger eine österreichische Nord-Süd-Magistrale über Ungarn „als Verrat an Österreich“ bezeichnet.  Man ist daher sichtlich bemüht, diese Variante durch einen extrem fernen Zeithorizont undiskutabel zu machen und bastelt dafür listig an einer verschleierten (aber schlechten) Alternative. Durch ein Konglomerat von Strecken der ÖBB, die ausgebaut und mit fremden Bahnen verbunden werden, entsteht eine Bahnlinie, teils in Österreich teils in Ungarn, die als Semmering-Ersatz für eine neue Nord Süd-Achse herhalten soll.  Die MAV-Strecke Sopron - Szombathely wurde im Dezember 2001 bereits von der GYSEV übernommen. Mit ihrer Modernisierung und Elektrifizierung, angeblich unter 1/3-Kostenbeteiligung Österreichs, wird umgehend. begonnen.  In weiterer Folge ist auch eine Übernahme der Strecke Szombathely - Szentgotthard durch die GYSEV geplant. 

Die ÖBB bauen

       -  eine Anschlussstrecke Oberwart - Szombathely (Kosten 6,87 Millionen Euro),
       -  Schleife Müllendorf,
       -  Schleife Ebenfurth,
       -  Ostschleife Parndorf,
       -  Elektrifizierung Wr. Neustadt - Sopron,

       -  Elektrifizierung Neusiedl am See - Wulkaprodersdorf,

       -  Elektrifizierung der steirischen Ostbahn,

       -  Steirische Ostbahn: Errichtung von drei neuen Betriebsausweichen.
 

Die HL-AG baut

        -  Neubaustrecke Sopron - Szombathely,
        -  Zweigleisiger Ausbau steirische Ostbahn Gleisdorf - Szentgotthard,
        -  Verbindung steirische Ostbahn - Koralmbahn. 

Als Einzelobjekte betrachtet ergeben diese Vorhaben wenig Sinn.  Ein Blick auf die Landkarte zeigt jedoch, dass hier puzzleartig eine östliche Umfahrung der Südbahnroute über den Semmering entstehen soll, die von der Slowakei (Ostschleife Parndorf) der alten Dunantuli hev Route bis Sopron folgend und weiter über eine von Österreich (HL-AG) gebaute Neubaustrecke Sopron - Szombathely weiter nach Szentgotthard und über die ausgebaute und elektrifizierte steirische Ostbahn nach Graz führt und dort an die Koralmbahn angebunden wird.  Stichstrecken werden aus Innerösterreich (Ebenfurther Schleife, Elektrifizierung Wr. Neustadt - Mattersburg, Reaktivierung oder Neubau Oberwart - Szombathely an diese ungarische Semmeringumfahrung angelenkt.  Als Argumentationshilfe für die Linienführung über ungarisches Staatsgebiet kann angeführt werden, dass Österreich als Minderheitsaktionär an der GYSEV zu einem Drittel Mitbesitzer dieser Strecke ist, Für die GYSEV wäre die Realisierung dieser Planung ein gewaltiger Aufschwung.  Eine moderne leistungsfähige Nord-Süd-Magistrale, wie sie Österreich dringend benötigt, und der von Schüssel (Anm.: österreichischer Bundeskanzler - ÖVP) enthusiastisch bejubelte Eisenbahnausbau zu den östlichen Nachbarn, ist das trotz damit verbundener hoher Kosten - aber wahrlich nicht. 

Über den viergleisigen Ausbau der Westbahn von Wien bis Salzburg lässt sich in Detailfragen diskutieren.  Dass bereits begonnene Vorhaben abgeschlossen werden sollten, scheint sinnvoll.  Ob es bei verschiedenen Planungen nicht auch andere, preisgünstigere Lösungen gäbe (zum Beispiel Umbau Bahnhof St. Pölten) wäre zu prüfen.  Nicht diskutieren lässt sich allerdings darüber, dass Projekte zwar gesamtstaatlich gesehen als wichtig und notwendig erkannt werden, aber dennoch nicht gebaut werden dürfen weil kleinkarierte politische oder persönliche Interessen dagegen geltend gemacht werden.  In diese Kategorie fällt neben der Verhinderung des Semmeringtunnels etwa auch der Ausstieg im neuen GVP aus dem geplanten Ausbau der Westbahnstrecke Attnang-Puchheim - Salzburg.  Hier zeigt sich ein Semmering-Trauma auf salzburgisch. Dieser Streckenabschnitt war primär nicht aus Kapazitätsgründen zum Ausbau vorgesehen sondern wegen der ungünstigen Trassierung, die einen Schnellverkehr nicht zulässt.  Entsprechende Streckenkorrekturen des Altbestandes oder ein Ausbau für den nutzbaren Einsatz von Neigekasten-Fahrzeugen käme in preisliche Kategorien, die einen Neubau denkbar machen.  Abgesehen davon würde die Streckenkapazität durch die Führung von Zügen mit stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten drastisch sinken, Der geplante Ausbau aber wird von einigen eisenbahnfeindlichen Ortspolitikem mit allen Mitteln bekämpft.  Die Salzburger Landesregierung sieht diesen Verhinderungsaktionen tatenlos zu und ist offensichtlich zufrieden, dass die Westbahn in diesem Bereich zwar nicht ausgebaut wird, sie dafür aber ein lokalpolitisches Thema vom Tisch hat. 

Unverständlich erscheint auch, dass die Verfasser des neuen GVP aus Schaden nichts gelernt haben und in den gleichen Fehler verfallen sind wie schon Planer in der Vergangenheit.  Offensichtlich nach dem Motto „ein Bau ist nur gut wenn er gigantisch ist“ wird wieder der berechtigte Weg der sogenannten „goldenen Mascherln“ verfolgt.  Das heißt, es wurden zum Teil stark überdimensionierte Projekte erstellt, die in unfinanzierbare Dimensionen reichen und schon aus diesem Grund von vornherein den Keim der Verschiebung in die Unendlichkeit in sich tragen.  Es wurde leider auch nicht versucht, durch gleich gute aber billigere und einfachere Lösungen die Wahrscheinlichkeit einer Realisierung zu erhöhen.  Auch hat man offenbar übersehen, schon vorhandene, mäßig gut gelungene Verkehrsbauten, durch verhältnismäßig minimale Aufwände in ihrer Effizienz zu verbessern.  Dazu zählt etwa die Flughafen-Schnellbahn S 7, die trotz Investitionen von bisher schon mehr als 5 Milliarden Schilling in der Praxis ein in Wolfsthal endender Lokalbahn-Torso bleibt, dessen sichtbarer Kundennutzen im Vergleich zum finanziellen Aufwand höchst bescheiden ausfällt, Aber auch etwa eine Verlängerung der Elektrifizierung, verbunden mit Streckenverbesserungen, von Deutschkreutz Richtung Oberpullendorf, hätte Verkehrsbedeutung.  So könnte damit der Blaguss-Autobusinvasion in der Relation Mittelburgenland - Wien  Einhalt geboten werden.  Aber offensichtlich will man das gar nicht! 

Auffallend, aber keineswegs überraschend ist, dass praktisch alle den Bereich Wien betreffenden Bauvorhaben 
(S 80, Bahnhof Wien, Güterterminal Inzersdorf und andere) sehr weit in die Ferne verschoben wurden. 

Alles in allem ist dieser GVP ein Schriftstück, in dem zahlreiche Verkehrsprojekte aufgelistet wurden, deren Verwirklichungs-Notwendigkeiten und die damit verbundenen Prioritäten aber in höchstem Masse diskussionswürdig sind.  Er lässt viele Fragen offen, bietet kaum sinnvolle Lösungen an und die Bezeichnung „Generalverkehrsplan“ ist eher als Hochstapelei anzusehen.  Schadensmildernd wirkt sicher, dass die Gefahr seiner Verwirklichung - schon aufgrund der ungemein langen Zeithorizonte und der damit verbundenen zwischenzeitlichen politischen Veränderungen in Österreich - vermutlich nicht sehr groß sein dürfte.  Dies ändert jedoch nichts daran, dass jetzt rasch sinnlose Bauten begonnen werden, um vollendete Tatsachen zu schaffen (zum Beispiel Koralmbahn) und damit Vorgaben entstehen, aus denen man später - selbst bei gutem Willen - nicht mehr leicht herauskommt (siehe Güterzugumfahrung GZU St. Pölten).  Besonders bedauerlich ist, dass doch vieles gebaut werden wird, das unwichtig ist, wirklich Notwendiges hingegen ungebaut bleibt.  Im übrigen sieht dies auch der Rechnungshof so, der den GVP für die Eisenbahn als „von der Realität abgehoben“ bezeichnet.                            

(Alfred Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“ Nr. 4/2002) 
 

 

Vorgaben für ÖBB-Manager

In Anbetracht der diffusen Führungssituation herrschte bei den ÖBB ab der Bestellung des neuen Vorstandes Entscheidungsflaute. Die alte Führung entschied nichts wesentliches mehr, die neuen "Machthaber", die am 1. August 2001 ihr Amt offiziell antreten, hielten sich auffallend bedeckt.  Allerdings kam es im Mai 2001 zu einem Gespräch der Infrastrukturministerin Forstinger mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und den drei neu bestellten Mitgliedern des Vorstandes der ÖBB.  Dabei wurde ein Strategieprogramm besprochen, dass sich auf wenige Punkte konzentriert. Darunter befinden sich höhere Produktivität, weniger Bundeszuschüsse, Kostentransparenz und als nachhaltigste Vorgabe - die Zerteilung der Bahn. 

Nachdem der wichtigste Hemmschuh für letzteres Vorhaben, der alte Generaldirektor Draxler, "zur Seite geräumt wurde", sollte diesem politischen Muss jetzt nichts mehr im Wege stehen.  Hier scheinen sich die Vorstellungen in der Regierungskoalition in jüngerer Zeit allerdings etwas zu differenzieren. Während die ÖVP nach wie vor mit Nachdruck für eine Zerschlagung der Bahn eintritt, zieht die Infrastrukturministerin mit den Worten "aber nicht um jeden Preis" sichtlich die Bremse.  Vor allem auf oberster politischer Ebene der FPÖ legt sich etwa die Vizekanzlerin Riess-Passer diesbezüglich keineswegs fest.  Darüber hinaus ist es kein Geheimnis, dass Finanzminister Grasser und Spitzenbeamte seines Ministeriums aus rein sachlichen Gründen alles andere als Befürworter der von der ÖVP aus politischen Gründen verlangten Zerschlagung der Bahn sind.  Dies war zudem sehr deutlich am offen gezeigten Ärger des Finanzministers über die Art der Bestellung des neuen Managements der ÖBB zu bemerken.  Es ist daher durchaus möglich, dass diese Frage - wie viele andere auch - auf die sogenannte "lange Bank" geschoben wird.  Von Seiten der drei neuen Vorstandsmitglieder der ÖBB ist anzunehmen, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit keine besondere Aktivität zur Abhandlung dieses Problems an den Tag legen werden. 

Welche Hintergründe es bei der geplanten Zerschlagung der Bahn gibt, die von Regierungsseite mit dem Argument der Ausschaltung der Quersubventionierung und der Schaffung von Kostentransparenz zu erklären versucht wird, zeigt sich an verschiedenen Beispielen.  So wurde und wird die Einführung eines Road-Pricings für LKW auf politischer Ebene permanent verzögert.  Vom geplanten Einführungstermin 1995 ist man jetzt schon, und auch das lediglich mit einer Absichtserklärung, bei 2005 angelangt.  Dass ein 40-t-LKW die Strassen 35 000 Mal stärker schädigt als ein PKW, ist wissenschaftlich längst dokumentiert.  Bekannt ist auch, dass die exorbitanten Kosten des LKW-Verkehrs vor allem hinsichtlich der von ihm verursachten Schäden an den Strassen und Einbauten von diesem lediglich zu einen Drittel gedeckt werden. Von den Folgekosten bei Unfällen und den dadurch hervorgerufenen volkswirtschaft-lichen Schäden - so verursacht etwa eine Staustunde auf Autobahnen nach Unfällen einen volks-wirtschaftlichen Schaden in Höhe von vier Millionen Schilling - spricht ohnedies fast niemand mehr!  Klar ist daher, dass diese vom LKW-Verkehr nicht gedeckten Kosten aus anderen Quellen quersubventioniert werden müssen. Dies allerdings stört gerade jene Politiker, die von der Bahn immer lautstark Schluss mit der Quersubventionierung (Infrastruktur - Absatz) verlangen, offensichtlich überhaupt nicht.  Im Gegenteil: der Schwerverkehr auf der Strasse erfreut sich bei Gesetzesübertretungen wohlwollender Nachsicht. So sind zwar nur 40,8 t Gesamtgewicht eines LKW-Zuges zugelassen, die Exekutive toleriert jedoch Überladungen bis 50 t (!). 

Höchst seltsam ist in diesem Zusammenhang, dass gerade jene politischen Lobbyisten, die mit größtem Nachdruck die Aufteilung der Bahn fordern, bei der Luftfahrt vollkommen konträr argumentieren und den Zusammenschluss von AUA, LAUDA und TYROLEAN zu einer einheitlichen österreichischen Luftlinie fordern. 

Alfred Horn in der Fachzeitschrift „EISENBAHN Österreich“) 

 

 

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